Verkehrstherapie & MPU-Beratung

Fahrangst

 

Im Gegensatz zu Flugangst, Angst vor Spinnen oder Ähnlichem ist die Fahrangst ein gesellschaftliches Tabuthema. Viele Betroffene glauben, auf Unverständnis zu stoßen, da Autofahren "ja schließlich jeder kann". Also redet man lieber nicht darüber. Und auf Fahrangst spezialisierte professionelle Hilfe gibt es auch nicht an jeder Ecke. So vermeiden viele von Fahrangst Geplagte bestimmte Verkehrsituationen, z. B. Autobahnen, Tunnels, Stau etc., fahren nur noch in Begleitung oder lassen das Fahren ganz bleiben. Der Preis ist ein enormer Verlust von Mobilität und Lebensqualität. Bei den Wenigsten ist eine isolierte Angst vorhanden, die sich ausschließlich auf den Vorgang des Fahrens bezieht. In den meisten Fällen handelt es sich um Ängste, die in anderen Lebensbereichen und unter ganz anderen Umständen entstanden sind. Nur dass sich diese eben auch auf das Autofahren übertragen. Es gibt Schätzungen, die von ca. 4 - 5 Millionen Menschen mit Ängsten beim Autofahren ausgehen.

 

Angst zu bekommen, ist zunächst einmal überlebensnotwendig. Die typischen Angstsymptome - wie Herzrasen, schnelle Atmung, Blutdruckanstieg - aktivieren den Organismus auf Kampf oder Flucht.

Treten solche Symptome überzogen in bestimmten Alltagssituationen, wie z.B. beim Autofahren auf, können sie eine große Behinderung darstellen. Meist treten in diesem Zusammenhang Katastrophengedanken oder Panik auf. Die Person hat das Gefühl, die Kontrolle über die Situation zu verlieren.

Mögliche Auslöser der Fahrangst:

  • Panikattacken und Agoraphobie (Angst vor großen Plätzen, vor Reisen und Menschenmassen). Der Grund hierfür entzieht sich oftmals unserer Kenntnis. Diese panische Angst kann mit der Situation Autofahren gekoppelt werden. Die Betroffenen erwarten einen Panikanfall im Auto mit Schwindel, Übelkeit, Herzrasen usw. In der Folge wird das Fahren eingeschränkt oder ganz eingestellt.

  • Verkehrsunfälle können in späterer Zeit lebhafte Erinnerungen an die Unfallsituation hervorrufen. Eine extreme Ausprägung hier ist die Posttraumatische Belastungsstörung.

  • Fehlende Routine in bestimmten Verkehrssituationen (z.B. Autobahn, Tunnel, Dunkelheit) und jahrelanges Vermeiden solcher Situationen.

  • Generalisierte Ängste, d. h. übertriebene Sorgen in jeder Lebenslage. So auch beim Autofahren.

  • Klaustrophobie, also Angst vor Enge und Eingeschlossensein. Dies macht sich bemerkbar im Stau, in Tunnels, in Parkhäusern u. ä.

  • Höhenangst, z. B. beim Befahren von Passstraße und Brücken.

  • Soziale Ängste. Dies betrifft vor allem Menschen, die befürchten, beobachtet und kritisiert zu werden. Typsiche Situationen: Fahrprüfung, Fahren mit Beifahrer, als Erster an der Ampel stehen.

 

Typischerweise führen diese Ängste bei den Betroffenen zur sogenannten Erwartungsangst, wenn ähnliche Situationen bevorstehen. Allein schon die Gedanken an eine solche Situation rufen tatsächlich Herzrasen, Zittern, Schwitzen usw. hervor. Dies wiederum verstärkt das Gefühl, der Situation nicht gewachsen zu sein (Teufelskreis der Angst). 

 

In der Folge werden die Auslösesituationen zunehmend vermieden. Dieses Vermeidungsverhalten kann auf andere, ähnlich gelagerte Situationen übertragen werden und immer mehr um sich greifen. Beispiel: Vermeiden der Autobahn ... vermeiden der Landstraße ... vermeiden Auto zu fahren ... vermeiden auf die Straße oder unter Menschen zu gehen ... . 


Ängste sind jedoch gut behandelbar! 

 

Ziel der Therapie ist es, den zugrunde liegenden Ängsten auf die Spur zu kommen und diese gezielt zu behandeln. Hierbei kommen u. a. verhaltenstherapeutische Methoden zum Einsatz, z. B. die Veränderung von katastrophierenden Gedankenmustern oder die dosierte Konfrontation mit der angstbesetzten Situation. Es folgt eine Gewöhnung an die Situation, die Angst lässt nach, die nächste Stufe kann bearbeitet werden.

So können auch Ängste, die direkt beim Autofahren auftreten, behandelt werden. Die praktischen Übungen können im eigenen Fahrzeug oder auf Wunsch im Fahrschulauto durchgeführt werden.

Umfang und Inhalte der Behandlung

  • Der Umfang  ist von Ihrer individuellen Situation abhängig. Bei isolierten Fahrängsten, die sich nur auf ganz bestimmte Fahrsituationen beschränken, kann in wenigen Stunden das Problem gelöst sein. Fahrängste, deren Ursache in anderen Ängsten begründet ist und die womöglich schon seit vielen Jahren bestehen, erfordern erfahrungsgemäß deutlich mehr zeitlichen Aufwand.

  • Das Coaching besteht aus Gesprächen bzw. Behandlungen in meiner Praxis und dem Fahrtraining.

  • Im Gespräch werden wir zunächst herausfinden, woher die Ängste stammen und warum sie sich auf das Fahren übertragen. Sie werden lernen, weshalb Sie in bestimmten Situationen immer auf eine bestimmte Art und Weise reagieren und wie Sie selbst Ihre Ängste reduzieren und auflösen können.

  • Für die Basisbehandlung vor dem Fahrtraining bevorzuge ich EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing nach Francine Shapiro). Hierdurch lassen sich die Ängste soweit reduzieren, dass in das Fahrtraining übergegangen werden kann.

  • Das Training im Straßenverkehr erfolgt auf Grundlage der Verhaltenstherapie. Sie lernen, sich der angstbesetzten Situation auszusetzen und erleben, wie die Angst sich mehr und mehr auflöst. Wir werden im praktischen Fahrtraining genau die Situationen bearbeiten, die bislang für Sie schwierig waren. Und zwar so lange, bis Sie wieder entspannt am Steuer sitzen. Das Fahrtraining ist sehr intensiv und sollte ca. 3 - 5 Stunden dauern (Expositionsübungen!). Halten Sie sich hierfür am besten einen ganzen Tag frei.

  • Für die begleitenden Gespräche in der Praxis (Anamnese, Stabilisierung, EMDR) sollten Sie sich ca. 120 Minuten Zeit nehmen. Natürlich sind individuelle Behandlungskonstellationen möglich.

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